Photo shoot - Basic collection Photo shoot - Basic collection

Photo shoot - Basic collection

Endspurt der neuen basic collection

Die Chefin der Näherei arbeitet fleißig an den Prototypen.
Bei einem Kleid hat sie die Nähweise nicht direkt verstanden. Es gibt aber schon ein Probekleid von dem Modell, aus hautfarbenen glänzenden Polyester - sexy! Diese ersten Proben werden gemacht um zu sehen ob das Kleid passt und ob die Verarbeitung funktioniert. Der Stoff ist dabei erstmal egal.
Weil Zeigen immer einfacher ist als Erklären, ziehe ich mir das Probekleid schnell über und erkläre wie die einzelnen Teile zusammen gehören. Schwer wird’s dabei wenn man die Rückennaht eines Kleides erklären will, das man gerade am Körper trägt. Für die übrigen Näherinnen ist das immer ein schöner Spaß. Naja jetzt ist jedenfalls alles klar und bei erheiterter Stimmung arbeitet es sich ja auch gleich besser.
Und weiter geht’s!

Worldcup!

Und da haben sie es doch geschafft! Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bis zum Weltmeistertitel gekämpft!

Auf dem Weg zur Arbeit wurde ich von meinem Stammcaféverkäufer beglückwünscht als hätte ich Geburtstag und auch der Portier am Eingang des Gebäudes in dem das Atelier ruft mir schon Glückwünsche entgegen. Ich bin Deutschland! …oder so.
Das Spiel gegen Algerien hatte in einem italienisches Restaurant geschaut. Außer mir hat keiner für Tore des deutschen Teams gejubelt - huch.
Für Algerien wurde immerhin etwas geklatscht. 
Beim Brasilienspiel saß ich mit meinen Chefs und dem Chef unseres japanischen Make-Up Teams + Dolmetscher in einer Besprechung.
Der Make-Up Chef spricht zwar wenig Englisch, aber wir haben trotzdem was gemeinsam: wir kennen und mögen Werder Bremen. Heimlich haben wir zwischendurch den Spielstand gecheckt und die Überraschung in den Gesichtern  hat uns dann verraten. 

Ich hab zwar null Ahnung und auch wenig Interesse an Fußball, aber die WM verbindet die Menschen irgendwie. Da kann ich es fast verstehen, dass die komplette Fashion Week Location in Berlin dieses Jahr verlegt worden ist, damit am Brandenburger Tor Fußball geguckt und Bier getrunken werden konnte.

Das Finale hab ich in einer Sportsbar geguckt mit Regenbogenfahne im Fenster, die einige Gäste erst später verwundert entdeckten: “Oh wir sind ja in einer Gay-Bar!” Aber es gab in der Bar nur 2 Arten von Menschen: Fans für die Jungs im blauen Trikot und Fans für die in weiß. Von der letzteren Sorte glücklicherweise mehr. 

Beim Tor von Argentinien hat erst der kleine Teil der Fans gejubelt. Beim Schwenken der Fahne des Schiris hat sich dann der andere Teil gefreut. Der Herr am Nachbartisch und ich haben uns High Five gegeben. Dann haben wir uns etwas unterhalten. Er macht auch was mit Mode. Später habe ich seinen Namen gegooglet: Chef einer Modelagentur. Die haben unter anderem Heidi Klum und Claudia Schiffer entdeckt. Was man hier alles für Leute trifft.

Resümee der letzten Woche:

- Böse in den Finger geschnitten.

- Am Feiertag (Freitag 4th of July - Independence Day) gearbeitet. Danach vor dem großen Feuerwerk beinahe eingeschlafen.

- Konzept für die Basic Kollektion zum Onlineverkauf steht. Schnitte müssen noch gemacht werden. Stoffe müssen eingekauft werden. Genäht werden muss es auch noch.

Amazon hatte angefragt ob wir Teil der neuen Sektion ihrer Seite werden wollen. Dort wollen sie speziell die Produkte von New Yorker Designern vermarkten.
Der Großteil unserer Kleider befindet sich in der Preisspanne irgendwo zwischen $850 - $4.200.
Viele der Kleider sind aus 100% Seide gefertigt. Hört sich nicht nach Amazon.com an? Dachten wir uns auch.

Fazit: eine Basic Linie muss her; Schnitte werden vereinfacht, Tshirts mit aufgenommen, Seide durch preiswertere Stoffe ersetzt, oder als Details eingesetzt.
Amazon stellt ihr Fotostudio mit Equipment und Fotographen und sie übernehmen die Produktfotographien. Wann? Nächste Woche. Das Fotostudio steht uns natürlich öfter zur Verfügung, denn die Zusammenarbeit soll sich nicht nur auf das eine Mal begrenzen, aber bis nächste Woche muss der Großteil der neuen Basic Kollektion fertig sein.

Dafür habe ich diese Woche ziemlich kämpfen müssen, unter anderen bei den Stofflieferanten:
“Klar kann ich dir 60 yard (55 Meter) von dem Stoff besorgen. Wird in 2 Wochen geliefert.“
Und ich kämpfe in der Näherei in der Näherei Nr 1.: “die Chefin ist im Krankenhaus.”
Und in Näherei 2: “Wann braucht ihr das?! Oh je, naja du weißt ja: je schneller desto teurer!”
Eine Idee, die ich für ein Oberteil hatte will ich noch ausarbeiten.
Dann kämpfe ich mit den Schnitten. Die müssen geändert, vereinfacht und gradiert (von Modelgröße auf S, M und L hochrechnen) werden. Da raucht einem nach ein paar Stunden echt der Kopf.
Die anderen arbeiten noch auf Hochtouren an den prints sowohl für die neue Kollektion als auch für die Basic Linie. Das Bedrucken dauert ja auch noch eine gewisse Zeit.
Die Stoffe sind bis auf einen rechtzeitig gekommen und sind inzwischen in der Fabrik. 
Dann hatten wir noch Models zum Casting da. 
Kaffee, Kaffee, Überstunden!

…und es ist wie immer im Juli wahnsinnig heiß und schwül hier, da kommt man erst recht ins Schwitzen.
Puuh!

Was mir nicht daran gefällt wieder in New York zu sein:

- meine Lieblingsmenschen sind zu weit weg
- es gibt kaum gutes Brot
- dass einem das Kondenzwasser der Klimaanlagen auf den Kopf tropft 
- dass hier alles viel lockerer genommen wird 

Was mir daran gefällt wieder in New York zu sein:
- dass hier alles viel lockerer genommen wird
- das Wetter: Sonnenschein und 30 Grad 
- es gibt iced coffee
- mein Job
- das unendliche Angebot an Kulturprogramm und Freizeitgestaltung
- sagen zu können: ich wohne in New York.

Meistens ist es bloß Alltag, aber manchmal wird mir bewusst, dass ich in New York lebe. Es fühlt sich ein bisschen unwirklich an, als ob man zwar da ist, aber nicht wirklich dabei. 

"Sometimes it doesn’t feel quiet real or that my life there is real. That has its pleasant side as well. You never feel responsible or fully involved in anything that happens. It’s like being present and at the same time a real part of you is absent."

Sunday boat tour on Hudson River. Sunday boat tour on Hudson River.

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Es ist 8:30 am Abend und immer noch 30 Grad - Puuh!

July 1st - Erster Tag zurück im Studio.

Als erstes habe ich meine Mitbringsel verteilt: Hachez Pralinen aus Bremen und eine Dose Kieler Sprotten - echt norddeutsch.

Ich bin dann auf den neusten Stand gebracht worden. Wir arbeiten gemeinsam mit einer ehemaligen Professorin von mir an einigen Print-Outfits und Tüchern, die Teil der neuen Kollektion werden.
Dann habe ich mit Amazon.com telefoniert. Sie wollen auf ihrer Seite eine Sektion mit New Yorker Designern einrichten und uns aufnehmen.
In North Carolina soll eine Fashion week stattfinden und sie wollen uns dabei haben, das fang ich an zu organisieren.
Gemeinsam mit unserer neuen Praktikantin war ich in den 3 Fabriken mit denen wir arbeiten, habe “Hallo” gesagt und kurz erzählt wie das Wetter in Germany war.
Im Fashion Institute ist derzeit eine Ausstellung in der eins unserer Kleider gezeigt wird. (Das Foto zeigt die Broschüre zur Ausstellung) Zur Eröffnung im Juni war ich leider nicht da, aber ich habe mir gestern die Ausstellung angesehen, bevor ich wieder zurück ins Studio gegangen bin.
Das Wetter hier macht mir echt zu schaffen. Solange man im klimatisierten Studio sitzt geht’s ja, aber wenn ich in den Garment Distrikt (das Modeviertel) laufe, kommt man echt ins Schwitzen.

Da muss man sich nach dem Bremer Regenwetter erst mal dran gewöhnen.

Mit mir kann man was erleben…

Dass es mit mir nie langweilig wird hab’ ich schon öfter gehört - das ehrt mich sehr. Angeblich ziehe ich besondere Ereignisse an: manchmal ist es witzig, manchmal unangenehm, manchmal schön und manchmal ziemlich beängstigend - so wie gestern. 

Am Sonntag bin ich für Drinks auf dem Rooftop des Gansevoort Hotels gewesen. Das Wetter ist wie immer im Juli der Knaller, selbst abends ist es noch sehr warm.

Beim Runterfahren wollen sich ziemlich viele Leute in den Fahrstuhl drängen. Die Türsteher achten darauf, dass die Fahrstühle nicht überladen werden. Wir fahren los und im elften Stock hält der gut gefüllte Fahrstuhl noch einmal. Drei Frauen stehen davor und zwängen sich noch mit rein: Das wäre jetzt der dritte volle Fahrstuhl den sie vorbeifahren lassen, jetzt wollen sie auch mal runter. Der eine vorlaute Typ ruft: „Welcome to the Party elevator!“ Alle jubeln. Jetzt ist es echt ganz schön eng.
Mit einem piepsenden Geräusch setzt sich der Fahrstuhl wieder in Bewegung. Die Zahlen laufen runter 4…..3….2..1…und „L” für Lobby - alle schauen Richtung Tür. Der Fahrstuhl stoppt, er rattert, sackt mit zwei kleinen Hüpfern ab und steht. Die Leuchtschrift zeigt „LL”. Stille. Verwunderung - alle schauen sich um.
„Ähm sind wir jetzt stecken geblieben?” fragt einer - große Augen bei allen Anwesenden.
„Kann mal jemand den Türöffner-knopf drücken?!“ fragt eine Frau mit deutlicher Panik in der Stimme.
Nichts tut sich.
„Wir müssen jetzt ruhig bleiben“ sagt sie.
Der Vorlaute und ein Typ mit Glatze stehen an den Knöpfen. Sie drücken den Alarmknopf. Wir hören ein schrilles Klingeln ähnlich dem Feueralarm in der Schule.
Schon nach ein paar Minuten wird es sehr sehr warm. Wir sind mit 16 Leuten auf engstem Raum gedrängt. Man hört zwar die Lüftung laufen, aber die bringt nichts außer warme Luft rein.

„IST DA JEMAND STECKEN GEBLIEBEN?“ ruft es von außerhalb der Tür. „JAAAAAAAAA!!!!!“ schreien alle gleichzeitig. 
„Wir holen euch da in ein paar Minuten raus!“

„Gut, bis dahin können wir uns ja alle Mal vorstellen!“ sagt der Vorlaute „Ich bin Mario, total betrunken und rauche gerne Weed!“
„Wir müssen ruhig bleiben!“ sagt die Panikfrau wieder „Ich bekomme sonst eine Panikattacke!“

Ein paar Leute unterhalten sich ruhig. Ich stelle fest, dass die beiden Herren vor mir auch deutsch sprechen. Sie sind zu der Food-Messe in New York. 
Es wird richtig warm, das glänzende Metall um die Knöpfe der Etagen ist schon beschlagen. Ich fächere mit meinem Hut ein bisschen Luft in die Runde. Der eine Deutsche ist so groß, er versucht die Deckenverkleidung zu heben, leider vergeblich.

An der Tür hört man etwas. „Wir holen euch gleich raus“ 
Alle reden durcheinander. Ich singe „it’s getting hot in here, so take off all you clothes!“ „Haha nein die Männer bleiben bitte angezogen!” sagt einer der Männer.
Der Typ mit der Glatze an den Knöpfen brüllt: „Es ist SEHR heiß hier drin! Wir können kaum atmen! Mir wird sehr heiß und es ist nicht gut, wenn mir heiß wird, dann wird hier allen anderen auch gleich sehr heiß!“ Die Panikfrau krieg große Augen. 
Ein anderer Typ brüllt den Typen mit der Glatze an:“ Mach hier doch nicht alle verrückt! Halt lieber deine Klappe!“ 
„Halt du doch die Klappe!“ „Nein du bist jetzt still!!!!“ „Du bist jetzt ruhig!“ “Nein du!” “RUUUUHEEE!” - und so schaukeln sie sich weiter hoch. 

„Ich hör was an der Tür!” sagt die Panikfrau. Das stimmte nicht, aber so sind wenigstens alle ruhig. 

Neben mir steht ein zierlicher Typ im rosa Tanktop. Er schaut mich verzweifelt an und sinkt etwas in sich zusammen. Er fasst meinen Arm an. Wir halten Händchen und er klammert sich an mir fest. 

Ein paar Minuten vergehen noch. Insgesamt waren wir über 20min in dem Fahrstuhl. Mit einem Krachen schieb sich die Tür zur Seite, der kühle Luftzug ist ein gutes Gefühl. Zwei Feuerwehrmänner schauen uns an. Wir hängen auf halber Höhe vor einem der Stockwerke und müssen die Kante hochklettern. Der Tanktopjunge umarmt mich und bedankt sich, dass ich für ihn da war. 

Alle klettern raus. Vor dem Hotel steht ein großes Einsatzfahrzeug des New York City Fire Departments. Jetzt erst mal einen kühlen Drink!

Ich nehme vorerst besser die Treppe…

Ach du schöner Schein

Anfang der Woche war ich noch in Paris im Modemuseum und habe mich inspirieren lassen. Heute bin ich schon in New York. Dienstag ist offiziell Arbeitsbeginn - Ich arbeite hier ja als Modedesigner. Was für ein Jetset-Leben!
Ich sitze in einem Café dessen Einrichtung ganz puristisch gehalten ist - keine Bilder an den Wänden, weiße Eames Stühle, auf den Tischen stehen Sukkulenten, sonst nichts - alles ist ganz clean - selbst die Musik ist Minimal. Hinter mir plätschert kaum hörbar der Wandwassehrfall. Genau die richtige Atmosphäre um das Layout meines Portfolios zu überarbeiten. An den umliegenden Tischen sitzen andere Gäste an ihren Macs oder ipads. 

Jetzt aber mal runter mit dem sinnbildlichen Make-up und hervor kommen die dunklen Augenringe: Ich sitze hier in dem Café weil ich keine Wohnung habe. Einen Tag vor meinem Abflug wurde mir die Unterkunft abgesagt. Dank des spontanen Buchens des Rückflugs am Frankfurter Flughafen habe ich auch in New York gar nicht erst nach einem Hostelzimmer geschaut. Ich schlafe jetzt in meiner alten WG auf dem Sofa - auf dem den letzten Monat ein Dobermann geschlafen hat. Ja, das sind diese verdammt großen Hunde - ein bisschen riecht man es auch noch. Wau wau!