Meine Zeichnung auf ESSENCE.com.New York Fashion Week Spring ‘15: Designer Inspirationhttp://photos.essence.com/galleries/new-york-fashion-week-spring-15-designer-inspiration#545446_545516

Meine Zeichnung auf ESSENCE.com.
New York Fashion Week Spring ‘15: Designer Inspiration

http://photos.essence.com/galleries/new-york-fashion-week-spring-15-designer-inspiration#545446_545516

Mein Lieblingskleid der neuen Kollektion:
Die Zeichnung ist von mir, der Schnitt von meiner Chefin und meine Kollegin hat’s genäht. Teamwork vom Feinsten.

Die Termine bei VOGUE und WWD sind gut gelaufen.
Meine Chefin, der andere Designer und meine Kollegin haben die Kleider vorbereitet die ich mitgenommen habe.
Mit Kleidersack und Fotos auf dem iPad habe ich mich ins Taxi gesetzt und bin Uptown gefahren.
Dort hat die eine von unserer PR Agentur schon auf mich gewartet.
Wie sind gemeinsam hoch gefahren und haben dort auf die Market Editorin gewartet.
Ich habe die Kleider auf einen Ständer gehängt ausgepackt und mir noch mal alles abgeschaut.
Während wir warten kommt eine ältere Dame mit Rolator in den Raum “Ich habe hier eben Kleider gesehen, kann ich mir die mal ansehen?”
“Gerne!” Sage ich und zeige ihr alles. Sie kennt unsere Marke und hat besonders Gefallen an dem Jumpsuit gefunden. Das freut mich sehr, denn ich habe den Schnitt gemacht und die Plazierung des Prints gewählt.
“Wer war denn die nette Lady?” Frage ich nachdem sie gegangen war - Achso, eine riesen Persönlichkeit im Geschäft, Senior Fashion Editor.
Wir warten noch immer und eine ungefähr Gleichalterige setzt sich zu uns und trinkt ihrem Kaffee. Sie stellt sich als Emily vor und wir unterhalten uns.
Als die Market Editorin kommt entschuldigt sie sich erst mal, dass sie uns hat warten lassen müssen. Dann nimmt sie sich aber Zeit und lässt sich alles ganz genau erklären, stellt viele Fragen und sagt ganz oft wir gut ihr alles gefällt.
Anschließend fahren wir zur VOGUE. Ich wurde schon etwas vor der Editorin gewarnt, aber auch die war wirklich nett und interessiert an den Kleidern.
Ich fahre wieder zurück ins Studio und dort habe ich schon eine Email von Emily mit dem Kaffee bekommen, die ist nämlich die Koordinatorin des Fotodepartments und sie würde gern einen Fotografen schicken. Juhuu, das hat sich doch gelohnt! :)

In gut einer Woche ist Fashion Week, die To-Do Listen und Tage sind lang.

Am Donnerstag habe ich einen Termin bei der VOGUE und bei Women’s Wear Daily (hier in den USA auf einer Stufe mit der VOGUE). Ich werd dort mit einer Vertreterin unserer PR-Agentur hingehen und ihnen einen Vorgeschmack auf die neue Kollektion geben. Die von der PR Agentur kennt die Kollektion kaum, daher wird mir wohl das Reden überlassen. Eine große Sorge ist noch mein Outfit: Als ich das letzte Mal dort war, waren in der VOGUE Redaktion alle so unglaublich durchgestylet, da fühl ich mich in flachen Sandalen irgendwie fehl am Platz. Dank meines Ubahntreppensturzes bin ich nämlich noch nicht wieder auf High Heels unterwegs gewesen.

Wir müssen noch ein paar Teile fertig machen: Knöpfe annähen, Säume versäubern…

Heute Abend war Modelcasting, da kamen über 20 Mädchen, davon werden wir in den nächsten Tagen noch ein paar haben. Beim Casting entscheiden wir, wer bei der Show dabei sein darf, wir machen Fotos, kurze Videos vom Laufen und müssen am besten schon entscheiden wer was bei der Show anzieht und ob es richtig sitzt, oder ob wir noch was ändern müssen.
Es kamen nicht alle gleichzeitig, aber nur eine Hand voll gestresster, manchmal mies gelaunter Mädchen zu bändigen bedarf viel Kraft.
Gestern hatte ich mir schon 5 Mädchen eingeladen, allerdings nicht mehr dran gedacht. Ich kam gerade aus der Näherei zurück, da standen 5 Models in der Tür, während ich eigentlich wichtige Emails schreiben musste und dann kam noch die Assistentin einer Stylistin um Kleider der vorherigen Kollektion für ein Fotoshooting abzuholen. Die Kleider hatte ich noch nicht rausgesucht und verpackt. Da weiß man manchmal gar nicht wo einem der Kopf steht. Nur Ruhe und den Überblick bewahren, tief durchatmen und los!

Die Schlagen der Supemarktkassen nach Feierabed reichen manchmal bis zur Obsttheke am Eingang. Wenn man allerdings wie heute erst nach über 11 Stunden Feierabend macht, kommt man ganz schnell zur Kasse, da sind die mit den 9 to 5 Jobs nämlich schon Zuhause.
Die Woche war sehr kräftezehrend. Ich bin inzwischen wieder auf Plateauabsätzen unterwegs, wenn auch noch sehr langsam.
Die Kollektion ist auf einem guten Weg, die Einladungen zur Show sind fast alle verschickt, das Make Up Team aus Japan freut sich schon auf die Show - sehr beruhigend.
Beunruhigend sind die unvorhergesehenen Vorkommnisse.
Ich bin selbst jemand, der zu privaten Verabredungen notorisch zu spät kommt, aber wenn ich sage ich komme, dann komme ich auch!
Wenn ich eins nicht leiden kann dann ist es Unzuverlässigkeit. Da ist zum Beispiel die eine Näherei, die die Kleider nicht näht oder andere Firmen, die ihre Zusagen nicht einhalten oder erst nach wochenlanger Verspätung. Bei geschäftlichen Dingen erwarte ich da etwas mehr Genauigkeit, da bin ich wohl klischee-deutsch.
Heute war die Stylistin da, die Modelfirmen haben mir Fotos ihrer Mädchen geschickt, ich arbeite mit der PR Firma und ich habe mit noch ein weiteres Kleid für die Show überlegt - an was man alles denken muss! Ohje ich habe den Fotografen noch nicht gebucht! Schnell mal eine e-Mail schreiben!

Einmal nicht aufgepasst und da ist es passiert: an der letzten Stufe gestolpert und mit dem Fuß umgeknickt: einmal komplett nach hinten geknickt - hat auch ein Geräusch gemacht, bei dem einen noch beim Gedanken daran ein Schauer durchfährt.
Meine Einkaufstüten und ich wurden von Passanten wieder aufgesammelt und ich bin bin der Bahn nach Hause gefahren. Auf High Heels ist mir das noch nicht passiert, aber da hat man einmal in 3 Wochen Turnschuhe an und dann sowas. Das kann nur daran gelegen haben, dass Montag war. Montage hab ich sowie ungefähr so lieb wie Mathe oder Grippe.
Abends: Füße hoch und Eisbeutel drauf.
Morgens: Knöchel immer noch doppelt so dick wie normal.
Ich hatte ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl ins Krankenhaus zu gehen beim Gedanken an die Kosten.
Als ich einmal mit Zahnschmerzen beim Arzt war hätte mich der Preis mehr zum Weinen gebracht als die Zahnschmerzen. Da wird einem nämlich zuerst das Kreditkartenlesegerät vor die Nase gehalten bevor was gegen die Schmerzen gemacht wird: für 1.250$ gibt’s die Wurzelbehandlung für nur 450$ können wir ihnen eine provisorische Füllung machen. Ich habe zwar eine Krankenversicherung aber die zahlen es erst irgendwann zurück.
Ich bin dann aber sicherheitshalber doch mal ins Krankenhaus gehinkt.
Dort hat dann niemanden interessiert ob oder wo ich versichert bin. Geld wollten sie auch noch nicht von mir, die Rechnung wird mir noch zugeschickt und es hat nur 130$ gekostet inklusive toller silberner Krücken. Das System ist hier doch gar nicht so schlecht wie sein Ruf. Erstmal kommt die Versorgung dann die Rechnung.
Die waren auch alle nett im Krankenhaus außer, dass sie mich wie einen Idioten behandelt haben.
Sie haben an meinem Fuß getastet und rumgezerrt, ich hab vor Schreck fast den Arzt getreten und die Diagnose stand fest: nicht gebrochen, nur verstaucht.
Ich frage: “Gut, dass nichts gebrochen ist, aber ich habe so ein merkwürdiges Geräusch beim Umknicken gehört, kann es sein, dass was mit den Bändern ist?”
Der Arzt sagt: “Sollen wir ein X-Ray machen?”
Ich schaue skeptisch: “was machen? Ich weiß nicht was X-Ray heißt?”
Die Arzthelferin und der Arzt gehen raus und kommen wieder rein mit einer Erleuchtung in ihren Gesichtern: “Rööönt-geen!”
“Achso x-Ray heißt Röntgen!” Sage ich.
Ich werde einem Röntgen-Arzt übergeben, mit den Worten: sie spricht kein Englisch.
Ich sage: “Doch ich spreche Englisch, mir war nur ein spezifisches Wort nicht bekannt.”
Der Röntgen-Arzt sagt ganz langsam: “Bone - no - broken!”
Mit anderen Wort: “Knochen nicht gebrochen” in Idioten-english.
Ich sage: Ja danke, das wurde mir schon mitgeteilt, aber ich wollte prüfen lassen, ob ich eventuell einen Bänderriss habe.”
Er wiederholt: “Bone no broken!”
Ich geb’s auf und lasse mich weiter wie der Sprache nicht mächtig behandeln bis ich gehen darf.
Mit Krücken und Verband schaffe ich es noch rechtzeitig zum Treffen ins Standard Hotel zur Besprechung für unsere Show dort und für ein Treffen mit der US-Korrespondentin der Textilwirtschaft. Das Highlight des heutigen Tages: ich habe schwarzes Verbandszeug in der Apotheke bekommen! Endlich passt der Verband zum Outfit.
Die nächsten Tage bleibe ich dann aber doch Zuhause und lege den Fuß hoch, Arbeit am Laptop gibt es genug. Hoffe, dass das schnell vorbei ist, bald ist fashion week!

Noch 3 Wochen bis zur Show.
Da läd man Models zum Casting ein oder da fährt man schon mal mit der Nähmaschine im Taxi.
Freitag Abend hat meine Chefin den Schlüssel im Studio gelassen und ich bin noch etwas länger geblieben.
Ich habe ein Kleid entworfen, den Schnitt gemacht und den Stoff ausgewählt. Ich wollte unbedingt sehen wie es aussieht und es fertig nähen. Es war acht Uhr abends und meine Geduld war am Ende, also habe ich beschlossen morgen weiter zu machen.
Leider hat der Wein am Freitag Abend in der Bar so gut geschmeckt, dass ich erst am Samstag Nachmittag wieder Lust zum Nähen hatte.
Unser Studio befindet sich im siebten Stock in Chelsea. Wenn keiner da ist hab ich das ganze Stockwerk für mich. Platz ist Luxus, erst Recht in Manhattan.
Ein Bekannter von mir ist in eine Wohnung am Times Square gezogen. Man kommt rein, steht direkt in der Küche und hat 2 mini Zimmer und wenig Tageslicht. Es ist ein super Angebot: nur 2.000$ im Monat. Ich esse ja auch keine Eier aus Legebatterien, da will ich auch nicht in einer wohnen.
Das Kleid ist dann am Samstag fertiggeworden und ich konnte zufrieden nach Hause gehen.
Wir haben noch Bier getrunken auf meinem Rooftop und am Sonntag bin ich an den Strand gefahren (man braucht nur 55 min mit der Ubahn). Ich musste mein freies Wochenende nutzen, der Stress der Fashion week wird mir nicht mehr so viel Zeit dafür lassen.

Sunday at Rockaway beach Sunday at Rockaway beach Sunday at Rockaway beach

Was man im Vorbeilaufen alles sieht…verrücktes New York.